Projekt des Monats Februar: Wärmenetz der „Abtei Energie GmbH“ fertiggestellt

Bau der Biogasanlage Rauschwitz
Bioenergie-Region Jena-Saale-Holzland (J-S-H): Auf dem gerade einmal 8 km² kleinen Gemeindegebiet der Ortschaften Döllschütz und Pretschwitz befinden sich gleich zwei Biogasanlagen mit je einem Blockheizkraftwerk (BHKW) (265 kWel / 192 kWth) in unmittelbarer Nähe: Die bäuerliche Aktiengesellschaft „Abtei“, betreibt seit 2011 eine Biogasanlage in Rauschwitz, während die  Agrarprodukt Hainspitz eG im nur zwei Kilometer östlich gelegenen Ort Döllschütz eine baugleiche Anlage zeitgleich in Betrieb genommen hat. Wie kann die überschüssige Wärme von den beiden benachbarten Biogasanlagen sinnvoll genutzt werden?

Eine Antwort auf diese Frage lieferten zwei Bürger aus der Gemeinde im Mai 2013: Ralf Menz und Michael Rudolf gründeten zusammen mit der Agrarprodukt Hainspitz eG die „Abtei Energie GmbH“, die seitdem den Nahwärmenetzbau umsetzt hat und für die Wartung verantwortlich ist. „Nach der ersten Initialberatung durch die Bioenergie-Region J-S-H über die Möglichkeiten einer eigenen autarken Wärmeversorgung in unserem Gemeindegebiet war es für uns selbstverständlich, dieses Potenzial im Interesse der Bürger zu nutzen und eigenverantwortlich zu handeln. Bis zum Baubeginn des Wärmenetzes im Juli 2013 begleitete uns die Bioenergie-Region J-S-H bei den Bürgergesprächen und unterstützte uns bei der technischen Konzeption.“ so Herr Menz.

Der erste Bauabschnitt, das Verlegen der einen Kilometer langen Wärme- und Gasleitung in Döllschütz, wurde Ende Juli 2013 abgeschlossen. Im September 2013 begann die zweite Bauphase mit der Einbettung der Gas- und Notwärmetrasse zwischen Döllschütz und Pretschwitz (siehe Abbildung).

Damit die Wärme nicht primär über eine längere Distanz nach Pretschwitz transportiert werden muss, wurde im November 2013 ein zusätzliches Satelliten-BHKW mit 170 kWel / 190 kWth Leistung am Rande des Ortes errichtet. Die Gasversorgung des Satelliten-BHKW wird über die Leitung von der Biogasanlage in Döllschütz sichergestellt. Bereits im Dezember 2013 konnte dieses BHKW in Betrieb genommen werden und mit dem Ende der zweiten Bauphase konnten insgesamt neun Anschlussnehmer (Wirtschaftsgebäude und private Haushalte) vom zwei Kilometer langen Nahwärmenetz profitieren. Fünf weitere Haushalte werden in kurzer Zeit folgen, sobald die jeweiligen Ölreserven aufgebraucht sind.

Das Besondere an dem Projekt ist die Wärmeübertragung zu den Gebäuden: Sonst übliche Hausübergabestationen wurden durch Pufferspeicher in den meist Drei- oder Vierseithöfe ersetzt. In Döllschütz verläuft das primäre Heizsystem direkt vom BHKW zu den jeweiligen Hausspeichern von je ca. 1.000 l Volumen.

Die primäre Heizleitung befindet sich in Pretschwitz zwischen dem Satelliten-BHKW und einem zentral im Ort aufgestellten 5.000 l Pufferspeicher, der bei kurzzeitigen Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten an den beiden BHKW‘s oder der Biogasanlage als Wärmereserve dient. Von diesem Zentralspeicher verzweigen sich anschließend die Sekundärwärmenetze zu den einzelnen Haushalten.

Nach Ansicht der Bioenergie-Region J-S-H ist ähnlich wie in den Bioenergiedörfern Schlöben oder Schkölen zu erwarten, dass die Anzahl der Anschlussnehmer weiter steigt, wenn eine zuverlässige Wärmeversorgung zu einem adäquaten Preis angeboten wird.

Weitere Informationen:
Projekte des Monats auf der Website www.bioenergie-regionen.de
Zusammenfassung des Projektes (pdf)